Zwischen der Linse des Fotoapparates und dem Motiv, das für ein Bild bestimmt ist, gibt es keine direkte Verbindung. Immer kommt ein zusätzliches Medium hinzu, das zwischen die Linse und ihr Gegenüber tritt. Dies können Oberflächen sein, in denen sich das Motiv spiegelt, oder transparente Materialien, die durch ihre Beschaffenheit dem Effekt von Filtern nahe kommen. In gewissen Bildern kommt auch beides zusammen zur Anwendung.

Durch diese Form des Fotographierens verlieren die Dinge ihr vertrautes Erscheinungsbild. Sie können nie in einem alltäglichen Modus - also dem realen Gegenstand entsprechend - wahrgenommen
werden, da das hinzukommende Medium ihre Erscheinungsweise stets modifiziert. Das vertraute Motiv vermischt sich so mit dem Einfluss nehmenden Medium zu etwas Neuem. Es wirkt fiktiv, zuweilen unkenntlich oder surreal und lässt die Welt anders erscheinen.

 

Diese Verfahrensart ist nicht von dem subjektiven Gefühl zu trennen, der direkt abgebildeten Welt überdrüssig geworden zu sein. Gerade im heutigen Zeitalter der Omnipräsenz von Bildern drängt sich die Frage auf, wie die Welt fotographisch wieder in ein unverbrauchteres Licht gerückt werden kann. Das hier Gezeigte ist als Versuch zu werten, den Gegenständen mit Hilfe von zusätzlichen Materialien eine neue Aura des Fremden zu verleihen.

 

Sandro Reto Schaub

Fotographie